Rezension Online Stellenmarkt DIE ZEIT
Seit Anfang September 2010 bietet der Online-Auftritt der ZEIT einen neuen Stellenmarkt. Bislang hatte man im Hause Bucerius ja anscheinend eine eher zurückhaltende Meinung zu diesem Thema. ... Und das, wo die übergeordnete Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck GmbH etwa in Gestalt der VZnet Netzwerke oder von Experteer der Materie nicht vollkommen abgeneigt scheint.
Die bis dato mehr als zwiespältige Position ließ sich schön am Nebeneinander des Meta-Crawlers JobTurbo, des Spartenstellenmarktes Academics.de und eines Online-Bereiches für als Printversion veröfentlichte Stellenanzeigen verdeutlichen. Anscheinend ging es bisher darum, ein akademisches Publikum anzusprechen, nebenher die üblichen Serviceangebote eines Online-Magazins zu liefern und Printanzeigenkunden eine zusätzliche Leistung anbieten zu können. Reine Online-Anzeigen in einem allgemeinen Stellenmarkt waren bei der ZEIT so weit nicht möglich. Alles in allem nicht Fleisch, nicht Fisch.
Um sich nicht völlig von aktuellen Entwicklungen überrollen zu lassen, hat man den Hamburger Spezialisten für Websites von Medienunternehmen, Xalmiento mit der Umsetzung eines neuen Online-Stellenmarktes betreut: http://jobs.zeit.de/home.html.
Was wird nun für Stellenausschreibende und -suchende geboten?
Zunächst fällt der stolze Preis pro Einzelinserat auf, mit dem die ZEIT sich neu im Markt platzieren möchte. Beziehungsweise, er würde auffallen, wenn man ihn denn online ermitteln könnte - in den Mediadaten und Preislisten sind reine Online-Anzeigenschaltungen jedenfalls noch gar nicht vorgesehen. Mit einem Listenpreis von 1295,- EUR pro Einzelinserat in den bislang versendeten Angeboten lässt man den Rest der deutschen Stellenbörsenlandschaft jedoch deutlich hinter sich. Und selbst die Einführungsangebote von 890,- EUR werden nur von den regulären Einzelpreisen der Top-Börsen in Deutschland übertroffen. Vielleicht hat man Angst hat, sich "unter Wert" zu verkaufen oder das Preisniveau des Anzeigenmarktes herunter zu ziehen. Die Stammklientel wird sicherlich wissen, was sie an der ZEIT hat (wenngleich sie dem neuen Meidum noch misstrausch gegenüber stehen mag). Für das Anwerben neuer Kundenkreise und damit den Aufbau einer breiten Basis von Angeboten für Stellensuchende scheint mir dieser Einstieg aber eher hinderlich. Und hierzu stellt sich auch die Frage, ob es der ZEIT gelingt, ihre bisherige Leserschaft zu halten, auf den neuen Markt zu übertragen und schließlich deutlich zu erweitern - davon wird letztendlich der Erfolg des neuen Projektes abhängen.
Volumen: Die derzeit knapp über 800 Angebote nehmen sich für einen allgemeinen Stellenmarkt noch recht dünn aus und werden noch dazu zu erheblichen Anteilen aus den Beständen von Academics sowie den Printanzeigen gespeist. Doch dies ist nach gerade mal drei Wochen Anlaufzeit auch noch nicht besonders verwunderlich - da ist es eher lobenswert, dass man nicht versucht hat, aus auswärtigen Quellen Volumen zusammenzutragen, um den Stellenmarkt aufzublähen. In den nächsten Monaten sollte es da hoffentlich rein mengenmäßig allerdings noch deutlich nach oben gehen. Schließlich bleiben mittelfristig dann die Arbeitsssuchenden fort, wenn sie zu wenig Auswahl vorfinden und damit unmittelbar schlechtere Resultate für ihre Stellensuche erzielen.
Suche: Die Rubrizierung und Gliederung ist bewusst "griffig" gehalten und bietet alternativ einen zusätzlichen detaillierten Mechanismus, in dem alle vorhandenen Kategorien erfasst sind. Alle notwendigen Stadards werden hier erfüllt. Merklisten dienen der Verwaltung von gefundenen Stellen.
Zugang: Über jobs.zeit.de landet man bequem und zielführend mitten im Stellenmarkt. Von der wohl um Einiges häufiger aufgerufenen Seite zeit.de stellt sich das schon schwieriger dar. Um von dieser Startseite zum Stellenmarkt zu gelangen, muss man eine ziemlich unauffälilige Verlinkung benutzen. Der "Jobs" Button ist kleiner als der in unmittelabarer Nähe stehende zur redaktionellen "Karriere"-Sparte und um ein Vielfaches unauffälliger als etwa werbemäßge Experteer Banner u.Ä.
Weiteres: Von der Facebook- und Twitter-Einbindung funktionierte während der Rezension leider nur ersteres.
Erfahrungen: Von ersten auf diesem Portal abgewickelten Schaltungen her bleibt der Eindruck, dass man im Haus engagiert und flexibel ist - beides wirklich wichtige und gute Eigenschaften.
HORIZONT berichtete zu den Plänen des neuen Stellenmarktes der Zeit, man wolle sich zunächst mit Berufs- und Karrierethemen im Herbst deutlich profilieren. Bis 2013 sei geplant, den bislang sehr geringen Umsatzanteil der Online-Stellenanzeigen bis auf 20% steigern und über den bisher dominanten Sektor "Forschung & Lehre" hinaus weitere Marktsegmente erschließen.
Der Kontext, in dem man die neue Jobbörse verortet, liegt sicherlich am passensten bei den überregionalen Zeitungspräsenzen im Web, wie Süddeutsche Zeitung und Frankfurter Allgemeine Zeitung, die weitgehend eigenständige Portale für die allgemeine Stellensuche unterhalten (während etwa die Frankfurter Rundschau und die Welt dies ihren Partnern aus den jeweiligen Medienhäusern überlassen).
Fazit: Um eine (vorläufig) endgültige Aussage zur Eignung für Stellensuchende zu treffen, ist es sicherlich noch zu früh - derzeit dominiert einfach der traditionell starke Bereich "Akademisches, Institutionen, Forschung & Lehre". Hier muss ein kräftiges Spartenstandbein zu einem thematischem Schwerpunkt umgewandelt werden, welcher der Stellenbörse zusätzlich Profilschärfe verleiht, ohne zur Monokultur zu degenerieren.
Ob der neue allgemeine Online-Stellenmarkt der ZEIT sich einen Platz unter den "Großen" erkämpfen kann, scheint eher unwahrscheinlich. Sich im Segment der Jobbörsen überregionaler Zeitungen zu etablieren, scheint ein realistischeres Ziel. Hierzu muss man dann allerdings auch alle vorhandenen cross-medialen Register ziehen, denn auch die hier bereits existierenden Mitbewerber sind entsprechend aktiv.















