Wörterbuch Personaler – Deutsch
Das erklärende Wörterbuch für Personalwirtschaftsphrasen (in der Tradition von Ambrose Bierces „Devil’s Dictionary“)
Haben sie sich eigentlich jemals gefragt, ob Menschen in Personalabteilungen eigentlich dieselbe Sprache sprechen, wie der Rest des Unternehmens – und damit sind nicht nur die obskuren Formulierungen im Arbeitszeugnis gemeint? Handelt es sich beim „HR-Department“ am Ende gar um ein extraterritoriales Gebiet, das man nur mit dem Reise- und Sprachführer unter dem Arm betreten sollte?
Ganz gleich, ob die Eingeborenen von Personalesien grundsätzlich freundlich gesinnt sind oder alle Eindringlinge umgehend in den großen Kochtopf verfrachten, ein paar gute Ratschläge zur Entschlüsselung ihrer obskuren Sprachgebräuche können nicht schaden, wenn man sich in ihr Territorium hineinwagt.
Teil I – Stellenausschreibungen
Stellenausschreibungen sind immer auch Reklame, vor allem wenn die Position, die mit ihnen besetzt werden soll, nicht sonderlich attraktiv ist. Wenngleich es vielleicht ungewöhnlich hart ist, Aussagen die im Rahmen einer Stellenanzeige getroffen werden, in die Nähe von Wahlversprechen zu rücken, so lässt sich eine gewisse Verwandtschaft der beiden Kommunikationsformen auch nicht völlig von der Hand weisen. Hier folgen einige häufig verwendete Phrasen und Textbausteine mit Erläuterungen zu Bedeutungen, die vielleicht nicht auf den ersten Blick ersichtlich sind.
Zur Person:
Durchsetzungsfähig und belastbar – bei uns müssen sie in bester Radfahrermanier nach oben buckeln und nach unten treten
Hands-on-Mentalität gefordert – hier müssen sie allen Kleinkram selber machen
Seiteneinsteiger erwünscht – wir sind wirklich verzweifelt, dass niemand diesen Job machen will, der eine vernünftige fachliche Ausbildung hat
Selbstmotiviert – von uns brauchen sie keine Motivation zu erwarten...
Teamfähig und sozial kompetent – sie können sich unterordnen und dabei nett lächeln (und wenn wir das in ihr Arbeitszeugnis schreiben, heißt es, sie waren nur auf Betriebsfeiern anwesend und ließen andere ihre Arbeit erledigen...)
Unternehmerisches Denken gefordert – sie tragen das Risiko aller unternehmerischen Entscheidungen, ohne deren positive Erträge für sich verbuchen zu können
Zum Unternehmen:
Branchenübliche Vergütung – ... wenn sie wüssten, was in unserer Branche so üblich ist!
Dynamisches Team – wenn sie über 27 sind, brauchen sie sich gar nicht erst zu bewerben, egal für wie dynamisch sie sich halten
Familiäre Atmosphäre – zur Familie gehören nun mal auch Schwiegermütter und Schwippschwäger
Flache Hierarchien – hier gibt es keine Aufstiegschancen für sie
Flexible Arbeitszeitgestaltung - sie haben zur Verfügung zu stehen, wann immer es uns passt
Flexible Strukturen – hier weiß die rechte Hand nicht, was die linke tut!
Gute Verkehrsanbindung – man kommt hier zum Glück schnell weg
Inhabergeführtes Unternehmen – es wird ein tyrannischer Führungsstil nach Gutsherrenart gepflegt
Kurze Entscheidungswege – wir sagen sofort „Nein“ wenn sie etwas von uns wollen
Leistungsgerechtes Gehalt – da wir davon ausgehen, dass sie ohnehin nicht viel leisten, zahlen wir auch nicht viel
Marktführer auf unserem Gebiet – wir haben dazu mal das Gebiet so ausgewählt, dass in ihm höchstens drei Firmen weltweit agieren
Schlanke Hierarchien – so eng, dass keiner nach oben durchkommt
Umgebung mit hohem Freizeitwert – mindestens 100 km von der nächsten Großstadt entfernt
Viel Eigenverantwortung – Sehen sie doch selbst zu, wie sie die von uns gesteckten überhöhten Erwartungen und Zielsetzungen erfüllen können!















